Stephan Jürgens - Philatelie & mehr


Die TranSorMA Briefsortiermaschine

Autor: Stephan Jürgens, AIJP

Die TranSorMA war die erste Großanlage zur Postsortierung, welche durch Werkspoor, ein niederländisches Unternehmen aus dem Eisenbahnbau, gebaut und u.a. von Pitney Bowes vertrieben wurde. Der Name ist ein Akronym für "TRANsport and SORting, Marchand and Andriessen", letztere sind die Namen der beiden Erfinder. Die erste Vorstellung der Anlage erfolgte 1927 in den Niederlanden, die erste Inbetriebnahme im "Produktionsbetrieb" erfolgte 1930 in Rotterdam. Weitere Anlagen wurden in anderen niederländischen Städten, in Brighton (Großbritannien) und Rio de Janeiro aufgestellt. Die weitere Entwicklung wurde durch die deutsche Besetzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg unterbrochen, die beiden 1942 in Berlin-Steglitz und Mönchengladbach aufgestellten Maschinen sind aus den Niederlanden umgesetzte Maschinen, also Kriegsbeute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige Exemplare in Belgien, Argentinien und Venezuela, sowie weitere Exemplare in Brasilien aufgestellt. Ein längeres Experiment fand 1949/1950 in Linköping und Norrköping in Schweden statt, eine Maschine wurde in Petersborough (Canada) und eine weitere in Silver Spring, Maryland (USA) aufgestellt.

Das Museum vor Communicatie in Den Haag zeigt seit 1981 eines der niederländischen Exemplare dieser Briefsortiermaschine.

Die Geschichte der TranSorMA Briefsortiermaschinen

Händisches Sortieren

Überraschenderweise ist einer der wichtigsten, limitierenden Faktoren beim manuellen Sortieren von Briefen die menschliche Armlänge. Geübte (manuelle) Sortierer können erheblich mehr Stapel (oder Fächer) im Gedächtnis behalten, als sie von einem Sitz- oder Stehplatz erreichen können. Die Erweiterung des Aktionsradius z.B. Aufstehen für eine weitere Reihe Fächer oberhalb oder rechts/links neben den einfach erreichbaren Fächern erfordern wesentlich mehr Zeit (und Aufwand) und reduzieren damit die Produktivität.

Eine Idee zur Lösung dieses Dilemas ist es also die Armlänge mit Hilfsmitteln zu verlängern. Die TranSorMA-Maschinen gehen dabei einen eher indirekten aber innovativen Weg: der Brief kommt in ein kleines Wägelchen, der Bediener gibt den Code des Zieles ein, das Wägelchen rattert los und wirft den Brief an der codierten Stelle ab. Damit der Bediener nicht auf die Rückkehr des Wägelchens warten muss, gibt es viele Wägelchen, die zwischen den Bedienern und den Sammelfächern kreisen.

Übrigens: die von der TranSorMA auf den Briefen und postkarten angebrachten Codes sind NICHT die Kodierungen der Sammelbox, die der Bediener eingegeben hat. Bei den TranSorMA-Zeichen handelt es sich "lediglich" um das "Bearbeiter"-Kennzeichen des Bedieners, der die Kodierung vorgenommen hat. Denn den Entwicklern der Maschine war aufgefallen, dass bei Maschinen, bei denen die Maschine den Arbeitstakt vorgibt, immer die Möglichkeit besteht, dass Unachtsamkeiten der Bediener zu falschen oder gar komplett fehlenden Codes führen können. Das Aufdrucken von Bedienercodes sollte den Maschinensupervisern die Möglichkeit der Kontrolle geben. TranSorMA-Sammler, die ihre Sammlung also auf die verschiedenen Codes hin auslegen, sammeln nicht die Zeichen der Postautomatisation, sondern der Kontrolle und Überwachung der menschlichen Arbeitsleistung. Die Maschine war so konstuiert, dass das einlegen eines Briefes und die Kodierung nur möglich war, wenn an dem entsprechenden Arbeitspaltz auch ein "Key" mit zu druckenden Code steckte. Ohne diese Kontrollmöglichkeit funktionierte die Maschine also nicht.

Und postgeschichtlich ist dies nur bedingt sinnvoll: für die ersten eingesetzten TranSorMA-Maschinen waren die Codes, die auf den verschiedenen Maschinen eingesetzt wurden, eindeutig, aber schon für die nach Deutschland umgesetzten Maschinen ist nicht geklärt, ob die "Keys" bei ihren ursprünglichen Maschinen geblieben sind.

Sicher ist, dass ein Brief, der zwei verschiedene TranSorMA-Codes zeigt, ist eindeutig zweimal durch die Maschine gelaufen (z.B. weil er beim ersten Mal in das Fach der "falsch kodierten" gelandet war. Zwei Abschläge des gleichen Zeichens sind nicht so eindeutig: hier ist es auch möglich, dass der Brief bei einem Durchgang zwei Abschläge bekommen hat.

Übrigens: Nicht nur ein Bedienerfehler erklärt einen zweiten Druchlauf durch die Maschine. Für die Maschine in Amsterdam sind z.B. zwei Belegungen bekannt: die eine Schicht sortierte die "Fernpost" auf die verschiedenen niederländischen Städte und Regionen, die andere Schicht sortierte die Post für Amsterdam auf die verschiedenen Zustellbezirke sprich Briefträger.

Die Bediener wurden insbesondere in den Anfangsjahren - beim Sortieren nicht durch Postleitzahlen oder die Angabe von Zustellbezirken in der Adresse unterstützt. Von Postbediensteten wurde erwartet, die Geografie ihres Landes bzw ihrer Stadt zu kennen. Postleitzahlen wurden erst 1941/42 in Deutschland eingeführt, als man (insbesondere im Paketdienst) Möglichkeiten suchte, die Sortierarbeit durch ungelernte Kräfte erledigen zu lassen.

Quellen und Links

US Patente

Belege

Deutschland

TranSorMA Beleg

Gebührenfreier Feldpost-Brief vom 20.1.1943 aus St. Pölten nach Berlin-Steglitz mit dem TranSorMA-Zeichen "AT".

Weitere Belege der TranSorMA in Berlin-Steglitz:

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Niederlande

TranSorMA Beleg

Brief vom 21.6.1934, frankiert mit 12 1/2 Cent, aus ROTTERDAM nach München mit dem TranSorMA-Zeichen "L".

Weitere Belege niederländischer TranSorMA-Maschinen:

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Belgien

TranSorMA Beleg

Reklame-Ganzsachenpostkarte vom 12.1.1954 im Ortsverkehr innerhalb von GENT mit dem TranSorMA-Zeichen "AP".

Weitere Belege der belgischer TranSorMA-Maschinen:

TranSorMA Beleg

Barbados / USA

TranSorMA Beleg

Luftpostbrief aus Bridgetown/Barbados vom 27.09.1976 nach San Jose, Californien mit TranSorMa Zeichen "A3" (grün) und "L1" (rot) auf der Rückseite.

Hier bin ich mir noch nicht schlüssig, wo die TranSorMA gestanden hat, und warum die Zeichen auf der Rückseite abgeschlagen sind.